Ankommen und Aufnahme – Fragen an die Einwanderungsgesellschaft

Ankommen und Aufnahme

Vom 12. bis 16. Juni 2017 besuchten zwei 11. Klassen der Louise-Schroeder-Schule das wannseeFORUM, um sich mit dem Seminarthema „Ankommen und Aufnahme“ auseinanderzusetzen und dazu eigene künstlerische und mediale Beiträge zu entwickeln. Das Seminar fand in Kooperation mit der VHS Steglitz-Zehlendorf und grenzgänger I Forschung und Training statt und wurde gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Ganz im Sinne eines guten Ankommens startete das Seminar mit einem Begrüßungsplenum, der Vorstellung der Bildungsstätte, einem ersten Kennenlernen und der Programmübersicht. Der Migrationsforscher und grenzgänger Manuel Assner stellte im thematischen Einstieg Fragen nach der Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft in den Raum:
•    Wer ist die Gesellschaft?
•    Wer ist Teil, wer darf Teil sein und wer bestimmt darüber?
•    Wer darf kommen? Wer darf bleiben? Wer soll/muss gehen?
Die Beantwortung dieser Fragen sagt bereits viel über den Charakter der jeweiligen Gesellschaft aus. Manuel Assner machte dabei deutlich dass, kein Land dieser Erde je ohne Migration ausgekommen ist und das die Freiheit seinen Wohnort zu wählen, ein grundsätzliches Menschenrecht ist.

Anhand einer soziometrischen Aufstellung konnten die vielfältigen  Migrationserfahrungen in der Seminargruppe sichtbar gemacht werden und in der anschließenden Diskussion wurde erkennbar, dass Deutschland schon immer von Ein- und Auswanderung  geprägt wurde.
Bei der Übung 1-Step-Forward schlüpften die Teilnehmenden in verschiedene Rollen, die alle in ein fiktives Sagaland eingewandert sind und nun je nach Herkunft, Qualifikation und  (zugeschriebenen) Merkmalen ganz unterschiedliche Möglichkeiten und Chancen hatten, im Sagaland vorwärts zu kommen. Anschaulich wurden dabei Ausschlüsse und Privilegien, die einem das Ankommen und die Aufnahme in eine neue Gesellschaft erschweren oder erleichtern.

Zur Erschließung des Seminarthemas gehörten auch zwei von den grenzgängern organisierten Stadtrundgänge. Während die eine Seminargruppe den Stadtteil Moabit mit dem Schwerpunkt Leben von Menschen ohne Papiere erkundete, machte sich die andere Gruppe auf nach Neukölln, um die Diversität im StadtRaum und die Vielfalt der Kieze zu erforschen. Durch die Thematisierung der Veränderungsprozesse in den Bezirken wurde Migration als Normalität erfahrbar und das nicht erst seit dem Sommer der Migration 2015. Zur weiteren Vertiefung der aufgeworfenen Themengebiete standen  zurück im wannseeFORUM ein Infotisch mit Broschüren und Hintergrundmaterial und Computer zur Recherche zur Verfügung.

Inhaltlich gut vorbereitet ging es an die Arbeit in Kleingruppen. Die Teilnehmenden konnten zwischen folgenden Werkstätten wählen: Rap, App, Audio, Comic und Theater. In allen Werkstätten wurden unterschiedliche Schwerpunkte behandelt und künstlerisch/medial umgesetzt:

Die App-Gruppe beschäftigte sich mit Konzepten wie Ausländer, Inländer sowie eigenen und zugeschriebenen Identitäten. In Auseinandersetzung mit Macht und Präsenz im StadtRaum entwickelten sie den Stadtrundgang „(Wann?)See der Entscheidungen“ mit verschiedenen Stationen unter den Überschriften „Vertreibung und Ankommen“, „Gute Nachbarschaft?“, „Nebeneinander statt Miteinander“. Es schmeckt auch woanders…“, „Integration durch Sport“, etc. in denen die Sichtweise auf Migration durch die Teilnehmenden in kurzen Filmen, Interviews und Texten deutlich wird. Die App „Digi Walk“ zum Stadtrundgang in Wannsee kann hier heruntergeladen werden.

In der Rap-Gruppe wurde viel darüber diskutiert, wie es sich anfühlt, irgendwo neu anzukommen, was man selbst tun kann, aber auch wie sich die Gruppe verhalten kann, um jemand de Aufnahme zu erleichtern.  Im Song „Es wird Zeit“ fassten sie ihre Gedanken von zusammen. Es geht darim um das Respekt und ein besseres Miteinander, aber hört und seht selbst:

Die Audio Gruppe fragte danach, was Menschen bewegt, nach Deutschland zu kommen, welche Hürden sie nach der Ankunft überwinden müssen und welchen Beitrag wir selbst leisten können, um ein lebenswertes Klima zu schaffen. In einem Rollenspiel haben sie sich mit verschiedenen Positionen zum Thema Migration auseinandergesetzt und u.a. über die Vor- und Nachteile von Rücküberweisungen diskutiert. Ihre Audiobeiträge „Gekommen, um zu arbeiten“ in Form einer Straßenumfrage, eines Hintergrundbericht und einer Expertendebatte thematisierten Vorurteile gegenüber Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen.

Die Comic-Gruppe betrachtete Migration in die BRD/(DDR) und die Positionen und Reaktionen in der Einwanderungsgesellschaft seit 1960.  Ausgehend von verschiedenen Personen, die zwischen 1960 und 2017 nach Berlin migrierten, wurden Charaktere entworfen. Ort und Begegnung waren  Ausgang der Entwicklung eines Storyboards: Wie werde ich empfangen? Wie reagiere ich / kann ich reagieren? Aus welchem Grund kam ich hierher? Was finde ich vor? etc. Daraus entstand das Comicheft „Sie kamen Sie Sahen Sie blieben“:
Sie kamen Sie sahen Sie blieben

Die Theater-Gruppe schließlich setze sich mit verschiedenen Sichtweisen auf Migration in Deutschland auseinander. Sie überlegten, in welchen Situationen Menschen diskriminiert werden und wie ein couragiertes Eingreifen dagegen Möglich ist. Durch das szenische Spielen konnte die Perspektive gewechselt werden und Empathie für die Situation der Betroffenen erzeugt werden. In den schließlich zur Aufführung gebrachten Theaterszenen mit dem Titel „Fahrkarte, bitte!“, wurde ein möglicher Weg des Umgangs mit Diskriminierung durch Solidarisierung mit der betroffenen Person aufgezeigt.

Am letzten Seminartag wurden die Ergebnisse aus den Werkstätten in einer öffentlichen Präsentation vor Gästen im Theatersaal des wannseeFORUMs präsentiert. Mit großem Applaus wurden die Darbietungen der Schülerinnen und Schüler bedacht, in denen die intensive Arbeit der Woche erkennbar wurde. Wir hoffen, dass sich alle Schüler*innen bei uns gut aufgenommen gefühlt haben und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg bei der Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft.