Trauer um Dr. Eberhard Grashoff

Dr. Eberhard Grashoff ist gestorben!

Er hat sich am 20. März 2020 mit 92 Jahren für immer verabschiedet. Auch von uns, die in der Stiftung wannseeForum – dieser traditionsreichen Einrichtung der politisch, kulturellen Jugendbildung – mitwirken und mitwirkten.

Sein Antrieb, sich sein Leben lang mit aller Kraft für Demokratie und humanitäres Handeln einzusetzen- und insbesondere für die Jugendarbeit – war seine tiefe Ablehnung gegen den Nationalsozialismus und alle damit vergleichbaren Geisteshaltungen, bis in die jüngste Gegenwart. Im Alter von 5 Jahren wurde sein Vater als Sozialdemokrat in der Nacht als der Reichstag brannte verhaftet und musste ein Jahr im Gefängnis ausharren.

1943 lebte er in Lübben; von dort fuhr er mit dem Fahrrad unbemerkt von patrouillierenden NS-Soldaten nach Berlin um sich dort bis zur Befreiung durch Sowjetsoldaten bei seiner Mutter zu verstecken. Er konnte dem Volkssturm entgehen.

Direkt nach Ende des Krieges begann er sich im Alter von 17 Jahren politisch zu engagieren. Er beteiligte sich aktiv und überzeugt am Aufbau der neuen Demokratie. Sein Bestreben galt besonders dem Aufbau einer demokratisch geprägten Arbeit für und mit Jugendlichen, um deren Interessen in allen Bereichen der sich neu bildenden gesellschaftlichen und politischen Strukturen vertreten zu sehen.

So war es ein weiterer konsequenter Schritt, dass er mit 21 Jahren den Demokratischen Jugendverband mitgegründet hat, dessen Vorsitzender er von 1948 bis 1952 war. Dieses unmittelbare demokratische Engagement wäre ohne eine Zustimmung der Alliierten nicht möglich gewesen; ihm wurde eine Bescheinigung zur Gründung des Verbandes für alle vier Sektoren erteilt.

Aus dieser Funktion heraus gründete er zusammen mit Weggefährten aus anderen Jugendverbänden den Landesjugendring Berlin, dessen Vorsitzender er zeitweise war.

1948 trat er in die SPD ein, deren Mitglied er bis zu seinem Tode war. Im selben Jahr engagierte er sich zudem als Mitbegründer der Freien Universität Berlin. Diese Universität sollte als Hochschule in der Demokratie die Freiheit der Lehre und des Lernens garantieren – im Gegensatz zur Verfolgung systemkritischer Studenten im Ostsektor.

1947 wurde im Rahmen des amerikanischen re-education-Programms das Camp of Wannsee gegründet. Vor diesem historischen Hintergrund ist der Beginn des Wannseeheims für Jugendarbeit e.V. zu sehen, dessen Geburtsstunde 1951 schlug. Als Mitbegründer führte Dr. Eberhard Grashoff im Vorfeld zähe Verhandlungen mit den Amerikanern. Für diese Einrichtung engagierte er sich bis zum Jahre 2011. In der Zeit von 1976 bis 1986 war er für das Wannseeheim für Jugendarbeit als 2. Schriftführer und im Ausschuss für Verkehr und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Den Vorsitz für den Verein dieser politisch-kulturellen Bildungsstätte hatte er 12 Jahre lang von 1986 bis 1998 inne und führte sie durch schwierige finanzielle und personelle Heraus-forderungen. Auch seine journalistische Tätigkeit als Sprecher der „Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR“ nutzte er ab 1976 bis 1989, um die Arbeit des Wannseeheims für Jugendarbeit in vielfältiger Weise zu befördern. Seit 2011 war er Kuratoriumsmitglied der neu gegründeten Stiftung wannseeFORUM, in die er seine Erfahrungen und politischen Posi-tionen mit der ihm eigenen engagierten und durchaus auch streitbaren, „knorrigen“ Art und Weise einbrachte. Diese Einrichtung und deren Tun war mit sein wichtigstes Lebensprojekt bis zu seinem Tode.

Ein anderes ihm am Herzen gelegenes Projekt war die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz in Märkisch-Oderland mit dem Schwerpunkt der deutsch-polnischen Jugendarbeit. Er unterstützte die Ver-einsgründung und Finanzierung, um das während der DDR-Zeit völlig marode gewordene Schloss Trebnitz zu einer Jugendbegegnungsstätte werden zu lassen. Dazu gehörte nach dem Fall der Mauer auch die Mit-Gründung der Initiative Friedenswald, mit der Gedanken der Versöhnung und Jugendbegeg-nungen durch das Pflanzen von Friedenswäldern entlang der einstigen Hauptkampflinien in Deutschland, Polen, Weißrussland und bei Moskau be-fördert wurden.

Den 90sten Geburtstag feierte Eberhard Grashoff zusammen mit Weggefährten, Freunden, Bekannten sowie der Familie aus Übersee. Besonders sie werden den geradlinigen, manchmal auch schwierigen, aufrechten und aufrichtigen Menschen und Demokraten in Erinnerung behalten.

Wir verabschieden uns von einem langjährigen Weggefährten und danken ihm für sein Engagement im und für das Wannseeheim für Jugendarbeit e.V. und die Stiftung wannseeForum.

Dr. Eberhard Grashoff hat über viele Jahrzehnte die politische und kulturelle Bildung der Jugend mitgeprägt und sich um sie verdient gemacht!

Helmut Ostrower

Unter folgendem Link ist ein Video zu sehen, in dem Dr. Grashoff sich den Fragen von Jugendlichen zum Thema „Berliner Mauer“ stellt:

https:/vimeo.com/7571640