Google, Facebook & Co …

…Selbst- und Fremdbestimmung in der globalisierten Mediengesellschaft

30.6.-5.7.2014

 

48 Stunden nach dem Erscheinen war es von der Facebookseite einfach verschwunden. Das Cover des Campus-Magazins der ZEIT vom Juni 2013 mit dem Titel „Bin ich politisch?“ verschwand samt Postings, Likes, Shares und Kommentaren aus dem sozialen Netzwerk. Mit dem Untertitel „Wie man etwas bewegt“ zeigte das Politik-Heft eine Femen- Aktivistin mit entblöster Brust. Nacktheit schließt Facebook in seinen AGBs aus – auch im politischen und journalistischen Kontext. Die Nutzungsbedingungen weisen auf die weitreichenden Löschungsbefugnisse ausdrücklich hin.

 

Wie und was lässt sich heute im gesellschaftlichen Raum Internet bewegen – dort, wo Google, Facebook, Amazon und Apple uns so viele Möglichkeiten der schnellen Kommunikation und Recherche eröffnen und gleichzeitig als Anbieter die Spielregeln dafür bestimmen? Inhalte, Zugänge zu und Auswahl von Informationen und Kommunikationsformen zwischen UserInnen überall auf der Welt liegen inzwischen in den Händen der großen Vier. Digitale Freiheit versus Macht der Medienkonzerne? Welche Möglichkeiten der Selbstbestimmung haben wir noch angesichts wirtschaftlicher und staatlicher Interessen an immer mehr persönlichen Daten? Wird technischer Fortschritt durch Konkurenz und Sicherheitsdenken gefördert oder ausgebremst, wenn er nicht Marktzielen oder effizienten Kontrollfunktionen entspricht?

 

Apple entscheidet selbst darüber, was wir herunterladen können: Downloads sind nur im Applestore möglich, ohne iTunes keine Inhalte. Amazon bestimmt, welche E-Books auf dem Markt erscheinen. Das ausgelesene E-Book Freunden weiterzugeben, ist nicht möglich. Der Kauf beinhaltet nur die Lizenz zum Lesen auf dem eigenen Gerät. Verändert das digitale Buch auch unsere Kultur des Schreibens, Lesens und Archivierens? Wie gestaltet sich Eigentum an digitalen Inhalten? Und welche Arbeisplätze und Berufe verschwinden und entstehen durch E-Books und billige Lesegeräte aus China?

 

Auch Google bietet inzwischen E-Books an. Google hat längst eine eigene Welt erschaffen, die NutzerInnen gar nicht mehr verlassen müssen, um die meisten Funktionen des Internets nutzen zu können. Vom kollaborativen Schreibprogramm Google Docs über den gmail-Dienst bis zu Google+ als sozialem Netzwerk oder Youtube mit eigenen Kanälen und damit Inhalten. Steckt hinter der Individualisierung der Suchergebnisse ein praktischer Service für den einzelnen Nutzer oder ausgefeilte Manipulation? Erleichtert die untergemischte Werbung das bequeme Online-Shopping oder stellt sich spätestens hier die Frage nach Fremdbestimmung durch Vorgabe eines digitalen Horrizonts, der uns als UserInnen einengt? Erweitert die iCloud unsere Handlungsmöglichkeiten hier und überall oder schränken wir uns selbst ein – z.B. durch die Abhängigkeit von Smartphones im ständigen Onlinemodus?

 

Googeln steht bereits als Verb seit 2004 im Duden. Dabei ließe sich – z.B. aus Datenschutzgründen – schon längst auf Alternativen zugreifen. Seit dem NSA-Skandal verzeichnet z.B. die Suchmaschine DuckDuckGo bis zu 3,5 Millionen Suchanfragen täglich und verspricht dabei, keine Nutzerinformationen zu speichern und weiterzugeben. Die Alternative zu Amazon ist der lokale Buchladen. Viele UserInnen bleiben jedoch weiterhin bei Diensten, deren weltweit millonenstarke Kundenzahl die besten und billigsten Leistungen suggeriert.
Selbstbestimmte Fremdbestimmung? Wer gestaltet hier Gesellschaft und Internet als gesellschaftlichen Raum? Sind wir bereits ohnmächtig angesichts der Einflüsse von Martkführern und staatlichen Kontrollorganen?

 

Ob e-Petitionen an Landtage, Flashmop-Organisaton über Facebook oder einfach bewusster Umgang mit Daten – technische und gesellschaftliche Entwicklungen ermöglichen heute vielfältige digitale Mitbestimmung. Wie bewusst aber handeln wir im digitalen Bereich und bestehen auf digitalem Selbstschutz und selbstbestimmtem Agieren trotz NSA oder Facebook-AGBs?
Das Seminar sucht in diesem Spannungsfeld nach unterschiedlichen Blickwinkeln, Interessenlagen, Fragen und Antworten – insbesondere zum eigenen Umgang als Medienproduzent_innen und mündigen Mitgestalter_innen der heutigen und zukünftigen Gesellschaft.