ISW2011: Der “donnerlose” Tag 6

Der donnerlose Donnerstag von Anne Reibke

Ein serbisches Lachen. Ein spanisches Augenzwinkern. Eine in die Höhe gezogene tschechische Augenbraue. In der hauseigenen Bar in der untersten Landhaus-Etage des Wannseeforums werden unsere Köpfe um Mitternacht nach den Eindrücken des Tages noch mit kleinen Details gefüllt, bis sie sich nach und nach ins Bett begeben. Die Abende bei der internationalen Sommerwerkstatt sind wie die Kirschen auf dem Kirschkuchen – sie dürfen nicht fehlen. Begleitet werden wir unseren Gesprächen, Tischtennisduellen und Tänzen heute von einem leisen, konstanten Tropfgeräusch, verursacht von einer temporären Kunstinstallation, die Dozent Rolf heute für die Bar angefertigt hat: Eingefrorene Geldmünzen hängen in einem langsam schmilzenden Eisklotz wie selbstverständlich von der Zimmerdecke.

Die Bilder, die der vierte künstlerische Arbeitstag in den Erinnerungen der Teilnehmer hinterlassen hat, sind so unterschiedlich wie die Workshops selbst. Während die Videogruppe fleißig filmt, schneidet und animiert, gehen die Tänzer es ein bisschen ruhiger an und holen sich noch etwas Inspiration bei einer abendlichen Tanzaufführung im Zentrum von Berlin. Die Fotografen schlossen Freundschaft mit der Farbe schwarz: Sie standen in der Dunkelkammer sodass es für sie ausnahmsweise nicht entscheidend war, ob sie mit offenen oder geschlossenen Augen arbeiteten. Wem es da unheimlich wird, der singt französische Lieder, während er darauf wartet, dass seine Bilder Gestalt annehmen. Gesungen wird übrigens auch bei den Schauspielern. In ihrem Stück soll unter anderem Bertold Brecht musikalisch geehrt werden. Die Teilnehmer in der Musikgruppe, die im Kaminzimmer probt, sind selbst von den Rhythmen, Klängen und Melodien beeindruckt, die sie mit wenig Vorwissen und viel Gruppendynamik entstehen lassen. Die Art Performance – Werkstatt widerum verspricht, ihrer Vielseitigkeit gerecht zu werden und „von allem etwas“ dabei zu haben.

So erwartet man gespannt die Ergebnisse der anderen, bricht Rekorde im Verbrauch von Anti-Mücken-Spray und lernt, was „Ich bin sehr müde“ auf spanisch heißt.