Seminarangebot „Mensch, Maschine, Möglichkeiten: Leben + Arbeiten in einer smarten Welt“

Die Vernetzung unserer Welt nimmt ständig zu. Maschinen übernehmen immer mehr Aufgaben in Alltag und Berufswelt, in unserem Zusammenleben vor Ort und weltweit. Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich daraus für Lernen und Arbeiten in der demokratischen Gesellschaft? Das Seminarangebot „Mensch, Maschine, Möglichkeiten“ bietet den Raum zur Auseiandersetzung mit diesen und weiteren Fragen zum Leben in einer smarten Welt.

Nächster Seminartermin: 19. – 24.06.2017
Ergebnisse aus dem Seminar 20. – 25.03.2017

Die Meldung im März 2016 ist kurz und scheint recht unpolitisch. Weltweit aber löst sie Reaktionen zwischen Begeisterung und Entsetzen über die Zukunft von Mensch und Maschine aus: Es geht um den Sieg von Google-Software gegen einen südkoreanische Spitzenspieler im komplexen Brettspiel Go, das neben Erfahrung und Wissen auf Intuition setzt und kulturgeschichtlich zu den ältesten Spielen zählt. Das Ereignis ist ein Meilenstein in der Entwicklung selbstlernender Maschinen und Algorithmen. Zu ihrem potentiellen Einsatz und Nutzen dominieren jedoch statt Antworten vor allem Fragen zur neuen Dimension des Verhältnisses zwischen menschlichen Entscheidungen und maschinell programmierten Abläufen, zwischen Repression und Emanzipation durch Technologien. Welche Rolle werden solche lernenden Systeme für die Zukunft von Alltag und Arbeit in einer demokratischen Gesellschaft spielen? Bestimmen wir Algorithmen oder werden wir durch sie bestimmt? Sprengen weltweit miteinander kommunizierende Geräte längst den Rahmen von bestehenden Werten, Konventionen und Gesetzen im nationalen und europäischen Geltungsbereich?

Immer mehr smarte Produkte wie selbstfahrende Autos oder über Apps steuerbare Haushaltsgeräte sollen das Leben des Einzelnen und das Zusammenleben aller erleichtern und bereichern. Das Internet of Things (IoT) will dafür Kameras, Autos, Drucker, Babyfone und mehr – lokal und weltweit – verbinden. Es schafft damit neue Möglichkeiten für Produktion, Logistik und Kommunikation. Spätestens im Oktober 2016 aber machte ein Hackerangriff auf ein US-Unternehmen aus diesem Bereich die Verwundbarkeit einer solchen Vernetzung auch der breiten Öffentlichkeit deutlich. „Der Angriff, der aus dem Kühlschrank kam“, titelt Zeit online. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) reagiert auf die Cyberattacke sofort mit der Aufforderung an Hersteller*innen und User*innen, Sicherheit und Passwortschutz ihrer Produkte zu verbessern. Wie aber wollen wir langfristig mit Fragen umgehen und Antworten ausgestalten, die die alles durchdringende Digitalisierung mit sich bringt?

Losgelöst von Ort und Zeit verändern sich durch Technik- und Datenressourcen bestehende Macht- und Verteilungsstrukturen sowie eingespielte Systeme der Kommunikation und Wertschöpfung grundlegend. Damit stehen aktuelle Standards auf der politischen, sozialen, ökonomischen oder kulturellen Ebenen zur Disposition. Selbstverständliche Prinzipien und Werte der demokratischen Gesellschaft geraten ins Wanken, da sich Interessen von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft – z.B. bezüglich Freiheit und Sicherheit – stetig verändern oder inzwischen widersprechen. Auch unsere Arbeitswelt ist durch Digitalisierung längst im Umbruch begriffen. Wie sehen heutige Berufe in der Zukunft der Arbeit 4.0 aus?

Das Seminar sucht in diesem Spannungsfeld nach unterschiedlichen Blickwinkel auf eine vernetzte Welt des Internets der Dinge, beleuchtet Fragen und Antworten zu neuen Möglichkeiten für Lernen, Mitgestalten und Kreativität und betrachtet Risiken durch unterschiedliche Interessenlagen von Wirtschaft, Staat und
User*innen. Zusammen untersuchen die Teilnehmenden unterschiedliche Aspekte der Mediengesellschaft und produzieren dazu Medien vom Theaterstück bis zum Weblog. Dabei geht es insbesondere um den eigenen Umgang als Medienproduzent*innen und mündige Mitgestalter*innen/User*innen der heutigen und zukünftigen Gesellschaft.

Seminarziele

  • Sensibilisierung für gesellschaftliche Diskurse und Wertedebatten als Aushandlungsprozesse in einer in ständiger Entwicklung/Veränderung begriffenen globalisierten Gesellschaft – immer in Bezug zur eigenen lokalen Lebenswirklichkeit
  • Kennenlernen von Interessengruppen und Positionen zum inhaltlichen Schwerpunkt
  • Recherche und Diskussion zu Potentialen und Risiken durch künstliche Intelligenz und das „Internet der Dinge“ auf individueller und gesellschaftlicher Ebene im lokalen und weltweiten Rahmen
  • Ermitteln und Erkennen von Spannungs- und Konfliktfeldern in Wertediskursen wie z.B. zu Öffentlichkeit/Privatheit, Datenschutz, Informationsfreiheit,
  • Selbstbestimmung als Grundlage und Interessenkonflikt in der demokratischen Gesellschaft
  • Erarbeitung eigener Positionen durch Austausch, Recherche, Nutzung unterschiedlicher Zugänge zu Möglichkeiten, gesellschaftliche und individuelle Zukunfts-Szenarien mitzugestalten in einer smarte Gesellschaft X.0
  • Das Erlernen des Umgangs mit Produkten Dritter in der praktischen Medienarbeit durch neue Lizenzierungsmodelle wie Creative Commons
  • Das Ausloten von Möglichkeiten, bewusst Wertediskurse mitzugestalten z.B. durch bewussten Umgang mit neuen/digitalen Medien
  • Die Vermittlung eigener, daraus entstandener Fragestellungen, Problemstellungen sowie Haltungen durch deren Verarbeitung in unterschiedlichen Medien (Fotografie, Theater, Comic u.a.) und deren öffentliche Präsentation

Seminarangebot “Mensch, Maschine, Möglichkeiten” als pdf-Download

Das Seminar findet im Rahmen der Mitarbeit im Programm “Politische Jugendbildung im AdB” in  der Projektgruppe “Digitale medien und Demokratie”  statt. Es wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Die Stiftung wannseeFORUM ist annerkannter Träger der Bundeszentrale für politische Bildung.

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