Kooperationsprojekt 2016 „Spread the Words“ – Freiwilliges Jahr Beteiligung

13936636_10206173166362106_526235243_n Ein Erfahrungsbericht unserer Mitarbeiterin im Freiwilligen Jahr Beteiligung, Clara Siller:

Die audiovisuelle Ausstellung „MIGRATION nach Berlin – Jetzt bin ich hier“ präsentierte mein Einsatzstellen-übergreifendes Projekt mit drei Jugendlichen im Freiwilligen Jahr Beteiligung. Die Kollektion aus Bildern und Statements entstand in Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Gunda (FEZ), Andreas (BildungsCent) und Marieke (SELAM).

Das Projekt wurde im Rahmen des Freiwilligen Jahres Beteiligung (FJB) umgesetzt, welches das politische Engagement Jugendlicher fördert. Das FJB wurde 2012 gegründet und verfolgt das Ziel, einen Freiwilligendienst von Freiwilligen für Freiwillige zu gestalten, um Jugendliche zu ermutigen und zu befähigen, sich einzubringen. Jede*r Freiwillige wird dazu ermutigt, sich mit den eigenen Fähigkeiten, Interessen und Talenten einzubringen und somit zu einer Vielfalt an Projekten und deren Entwicklung beizutragen. Zur Unterstützung der Umsetzung der Kooperationsprojekte wird jede Projektgruppe von einer externen Ansprechperson, die methodische Tipps und eigene Erfahrungen einbringt, individuell begleitet.

Wir fanden uns im November 2015 als Gruppe bei einem Seminartag zusammen, um Ziele und Ideen für das Projekt zu sammeln. Es zeigte sich schnell, dass wir alle das Thema der deutschen Asylpolitik spannend fanden und frustriert darüber waren, wie viele Unklarheiten und Fehler in den Nachrichten berichtet wurden, und dass die Diskussionen ohne Geflüchtete geführt wurden. Wir wollten möglichst viele Menschen auf diese Probleme aufmerksam machen, also setzten wir uns das Ziel, eine Plattform aufzubauen, um geflüchteten Menschen eine Stimme zu geben.

Im Laufe der Monate trafen wir uns mehrmals und nahmen mit einem Blogger, Marcelin Emmerman, Kontakt auf, der den Blog „Spread the Words“ betreibt. Sein Blog sammelt die oftmals marginalisierten Stimmen von Menschen, die frustrierende Erfahrungen mit Grenzen gemacht haben. So rückt er die Menschen in den Vordergrund, über die oft geredet wird, anstatt mit ihnen. Das Blog dient als Sprachrohr und offene Plattform für die verschiedenen Erfahrungen der Geflüchteten. Dabei verdeutlicht und unterstreicht es auch die Vielfältigkeit und Einzigartigkeit jedes Statements.

Während der Treffen tauschten wir uns als Projektgruppe mit Marcelin zum Thema und verschiedensten Projekten aus, die auch im Bereich Asylpolitik arbeiten. So erfuhren wir von einer Kollaboration zwischen dem Blog „Spread the Words“ und 48Stunden Neukölln, einem Kunstfestival in Berlin und erklärten uns bereit, bei dieser Ausstellung mitzuhelfen. Aus einer Kombination von seinen Statements und Bildern gestalteten wir einen Teil der Ausstellung „MIGRATION nach Berlin – Jetzt bin ich hier“.

Diese Ausstellung, von 48Stunden Neukölln organisiert, präsentierte die Erlebnisse und Eindrücke der Menschen, die erst seit kurzem in Berlin wohnen. In der audio-visuellen Ausstellung kamen Menschen zu Wort, die zu unterschiedlichen Zeiten, von verschiedenen Orten und aus diversen Gründen nach Berlin gekommen sind. Sie zeigen ihre persönlichen Erfahrungen und Arbeiten zum Thema ‚MIGRATION nach Berlin – Jetzt bin ich hier‘. Für ihre Darstellungen verwendeten sie Audio, Foto, Zeichnungen oder Video. Unter anderem wurden auch Geschichten von Migrant*innen und Geflüchteten in Deutschland gezeigt. Die Ausstellung bestand aus einer Kollektion von verschiedenen Projekten und Arbeiten verschiedener Künstler*innen.

Einen Teil dieser Ausstellung gestalteten wir mit Statements und Bildern von „Spread the Words“. Wir verwendeten dafür Bilder vom „Marsch für die Freiheit“ 2014. Damals liefen Geflüchtete und Unterstützer*innen von Kehl bis nach Brüssel zu Fuß. Aus den Geschichten von vielen einzelnen, oft un-erhörten und isolierten Stimmen bildete sich eine ganze Bewegung von Menschen, die eine
bessere Zukunft für sich und ihre Familien schaffen wollten. Die Bilder und Aufnahmen von diesem Marsch zeigten Frust, Hoffnung, Unsicherheit und die Beharrlichkeit der Menschen, etwas an ihrer Situation zu verändern. Um das Material zu zeigen, kreierten wir Booklets, damit die Besucher*innen die Statements analog zu den Bildern sehen konnten.

Die Ausstellung fand bei „Vierte Welt Kollaborationen“ am Kottbusser Tor vom 15. bis zum 27. Juli statt. Wir als Projektgruppe trafen uns am 15. Juli zur Vernissage der Ausstellung, um unser Material aufzubauen und die Künstler*innen und Projekte kennenzulernen. Ich habe die Projektarbeit mit meinem Team genossen. Es war schön, ein Projekt eigenständig außerhalb der Arbeit am wannseeFORUM zu entwickeln, und inspirierend, mit Freiwilligen aus and13900458_10206173154361806_1605757076_neren Einsatzstellen zu arbeiten. Dazu habe ich viel zu Gruppenprozessen und Kommunikation zwischen Projektbeteiligten gelernt und erfahren wie viel Organisation tatsächlich hinter einer solchen Ausstellung steckt. Als wir alle am Tag der Eröffnung unsere Arbeit an der Wand sahen, war das definitiv das Highlight des Projektes.

Ich würde mich gerne beim wannseeFORUM und das FJB-Team bedanken, besonders bei Julian Knop, unserer Ansprechperson während der Projektzeit, für den guten Rat. Dazu noch vielen Dank an unsere Ansprechpartnerin Dinah von 48Stunden Neukölln und Marcelin Emmerman von „Spread the Words“ für ihre Unterstützung und Flexibilität in Bezug auf unserer Mitarbeit. Last but not least würde ich gerne meine Mit-Freiwilligen für ihre tolle Arbeit loben. Mit euch hat es echt Spaß gemacht.