Rückblick und Ausblick im wannseeFORUM

Aline: Baris, du bist jetzt schon drei Monate länger als ich im Team – wie war dein Start hier im wannseeFORUM?
Baris: Mein Einstieg war tatsächlich recht ruhig, da ich im Sommer begonnen habe – in einer eher entspannten Phase des Jahres. Das hat mir viel Zeit zur Vorbereitung gegeben. Ein großes Dankeschön an Sophia Kimpel und das gesamte Team im Haus, die mich sehr herzlich aufgenommen und intensiv eingearbeitet haben. So konnte ich mich nicht nur gut in meine Aufgaben einfinden, sondern auch bei Veranstaltungen wie dem CoE (Council of Europe) -Treffen mitwirken oder den Tag des offenen Denkmals vorbereiten und Führungen durch das Haus übernehmen.
Ich war übrigens schon 2017 und 2018 als Seminarassistenz im Rahmen der Osterwerkstatt bei Lukas Macher hier, damals habe ich für eine türkische Gruppe gedolmetscht, gemeinsam mit Cenk Arpa, der heute als Gastdozent bei uns tätig ist. Schon damals hat mich die besondere Atmosphäre des Hauses, die Nähe zur Natur und die Lage am Wannsee sehr beeindruckt.
Baris: …wenn wir schon beim Thema sind: Du warst ja auch schon vor deiner jetzigen Tätigkeit im wannseeFORUM – Wann und wie warst du das erste Mal hier?
Aline: Ja, ich habe 2011 und 2016 an der BilderBewegungBerlin teilgenommen, unter der Leitung von Annette Ullrich, einmal in der Kurzfilm-, einmal in der Analogfotowerkstatt. Schon von der ersten Teilnahme an konnte ich viele Kontakte aufrechterhalten. Das zeigt für mich, wie stark das wannseeFORUM als Ort der Begegnung und des Netzwerkens wirkt. Unser Kurzfilm aus der ersten BilderBewegungBerlin wurde sogar beim up-and-coming Filmfestival in Hannover im Kino gezeigt. Uns selbst auf der großen Leinwand zu sehen – das war für uns damals ein unvergessliches Erlebnis.
Jetzt die Stelle für Soziale Fragen und politische Teilhabe von Annette übernommen zu haben, ist für mich etwas ganz Besonderes und ich profitiere sehr von ihrer langjährigen Erfahrung.
Baris: Magst du etwas zu deiner Position und deinem Fachbereich erzählen?
Aline: Für mich ist besonders spannend, wie sich meine Erfahrungen aus der sozialen Arbeit mit Methoden der politischen Bildung und Medienpädagogik verbinden lassen. Mein Hintergrund in der Jugendhilfe hilft dabei sehr, insbesondere wenn es darum geht, junge Menschen zu erreichen, die bislang kaum Berührungspunkte mit dem wannseeFORUM hatten und die Programme so zu gestalten, dass sie sich an ihren Lebensrealitäten und Bedürfnissen orientieren.
Gegen Ende des Jahres konnte ich dann ein kleines Seminar mit einer Gruppe aus der Jugendhilfe durchführen, die ich noch aus meiner vorherigen Tätigkeit kannte. Zu erleben, wie diese jungen Menschen den Ort wahrnehmen, viele von ihnen zum ersten Mal an einem solchen Ort am Wasser, war für mich sehr bewegend. Und es hat in mir große Vorfreude auf kommende Projekte und Begegnungen geweckt.
Aline: Was hat dich ursprünglich zu diesem Arbeitsfeld geführt?
Baris: Ich habe über meine langjährige Verbindung zum wannseeFORUM und meine vorherige Tätigkeit als Anerkennungs- und Qualifizierungsberater für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung beim Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg hierhergefunden. Auch meine Arbeit als Diversity-Trainer, unter anderem für den New Israel Fund e.V., war prägend. Diese Erfahrungen haben sich hier im Fachbereich politische Bildung sehr gut zusammengefügt.
Besonders spannend finde ich die Arbeit mit Jugendlichen – man lernt unheimlich viel von ihnen, gerade im Hinblick auf den Zeitgeist. Sie helfen uns, gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren, und sind meiner Meinung nach ein zentraler Pfeiler unserer Gesellschaft.
Aline: Was war dein erstes eigenes Projekt – gab es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Baris: Mein Start war gleich herausfordernd: Der geplante deutsch-israelische Austausch mit dem Sapir College musste wegen Luftraumwarnungen kurzfristig abgesagt werden. Es folgten viele Gespräche mit Kooperationspartnern, Fördermittelgebern und dem Auswärtigen Amt. Aber wir haben diese Herausforderung gut gemeistert und freuen uns, den Austausch dieses Jahr gleich zweimal durchführen zu können.
Im Vergleich dazu war die Organisation meiner ersten durchgeführten Seminare fast schon entspannt – zum Glück!
Baris: Auf welche Projekte freust du dich in der nächsten Zeit?
Aline: Es wird definitiv spannend! Nach dem Fachkräfteaustausch, den wir mit Holon hier im Haus hatten, ist es jetzt für mich besonders aufregend, im Sommer 2025 meinen ersten deutsch-israelischen Jugend-Austausch zu planen. Ich freue mich auf die Begegnungen und den direkten Austausch.
Außerdem stehen im Sommer zwei Seminare mit Kooperationspartnern aus der Jugendhilfe an, unter anderem mit Gangway und einer neuen Initiative, die zum ersten Mal bei uns zu Gast ist. Ich freue mich auf die pädagogische Arbeit und den direkten Kontakt mit den jungen Menschen.
Baris: Hast du eigentlich einen Lieblingsort hier im Haus?
Aline: Ja, die rote Bank unten an der Wasserstelle. Dort sitze ich oft mit meinem Kaffee und beobachte das Entenpärchen. Das ist für mich der schönste Ort für kurze Pausen.
Aline: Und zum Schluss: Wenn du das vergangene Jahr in einem Satz zusammenfassen müsstest – wie würde der lauten?
Baris: „Ein Jahr voller Neugier, Erfahrungen und jungen Menschen mit sehr interessanten Perspektiven!”