easy come, easy go – Jugendbildung bei wandelnden Rahmenbedingungen

Achtzigster Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom NS-Terror, politische Instabilitäten und die Kriege in Europa und Nahost waren die Themen, die uns politisch beschäftigten. Das Auf und Ab und Hin und Her des letzten Jahres, machte auch vor dem wannseeFORUM nicht halt. Die Erhöhung der Förderung durch das Land Berlin aus 2024 blieb uns nach langem Bangen zu zwei Dritteln erhalten. Allerdings war unklar, ob die Tarifanpassungsmittel 2025 für freie Träger durch eine zusätzliche Förderung finanzierbar sein würden, oder ob wir die Steigerung ohne öffentliche Mittel stemmen sollten. Mit anderen Trägern gingen wir auf die Straße gegen die Kürzungen und wurden gehört: Die Förderung kam. Auch die späte Verabschiedung des Bundeshaushalts brachte einiges an Herausforderungen mit sich. Der lange Haushaltsvorbehalt führte zu Verzögerungen beim Einsatz von Fördermitteln des Bundes und zu Verunsicherungen bei der Planung von Seminaren. Die Belegungspläne stehen in der Regel mit eineinhalb Jahren Vorlauf.
Ein Ort des Dialogs
Das wannseeFORUM blieb trotz aller regionalen, nationalen und internationalen Spannungen und Konflikte ein Ort des Dialogs. Demokratisches Lernen zu ermöglichen und die Begegnungen von jungen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zu fördern, das gelang auch 2025.

Vor allem Kinder und Jugendliche aus Berlin waren bei uns im vergangenen Jahr zu Gast. Doch konnten wir auch junge Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Europa und Israel begrüßen, trotz des Krieges und der Krise im Nahen Osten. Sie alle sind bei uns zusammengekommen, um gemeinsam zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und ihre eigenen Positionen und Gedanken zur Welt, in der wir leben zu entwickeln.
Aus den Schwerpunkten
Die Bundestagswahl war insbesondere im ersten Quartal ein zentrales Thema in unserem Haus. In Seminaren des Schwerpunkts „Beteiligung und Schule“ setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit Fragen nach Generationengerechtigkeit, Mitbestimmungsmöglichkeiten und den Auswirkungen politischer Entscheidungen auf ihren schulischen Alltag auseinander. Dabei wurde immer wieder deutlich: Politische Mündigkeit beginnt im Klassenzimmer! Schüler:innen darin zu stärken, ihre Interessen zu vertreten und Schule als politischen Erfahrungsraum zu begreifen, war 2025 eines unserer wichtigsten Anliegen. Seminare zu „Respekt in Schule und Gesellschaft“ sowie die Ausbildung von Schülerpat:innen bildeten hierfür eine zentrale Grundlage. Unsere Respektcharta war dabei ebenso handlungsleitend wie die Erfahrung, dass ein wertschätzender Umgang miteinander Voraussetzung für Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement ist. Wie notwendig geschützte Lernräume sind, zeigte sich auch in Seminaren des Schwerpunkts „Demokratie und Gesellschaft“. Wenn Teilnehmende offen demokratiefeindliche und antisemitische Positionen artikulieren und versuchen damit den Diskurs zu bestimmen, ist von den Referent:innen pädagogisches entschlossenes Handeln mit dem nötigen Feingefühl gefordert. Einerseits, um den Safer Space zu bewahren und allen, die es möchten, den Bildungsraum für persönliche und politische Weiterentwicklung zu öffnen. Andererseits, um bei Befürworter:innen menschenfeindlicher Haltungen kritische Lernprozesse anzuregen. Unsere Respektcharta erwies sich hier als tragfähige Stütze, sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Bildungsarbeit. Menschenfeindlichkeit hält sich nicht an nationale Grenzen. Um so wichtiger ist es, den Dialog zu fördern und Vorurteile abzubauen. Der zunehmende Antisemitismus stellte uns dabei 2025 vor besondere Herausforderungen. Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung und mit Unterstützung des New Israel Fund konnten wir die Comic-Austellung „Wie geht es dir? – Gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus“ nach Berlin holen und sie in unsere Seminare einbauen.

Trotz aller Widrigkeiten ist es gelungen zwei Begegnung zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Israel zu ermöglichen. Einmal sogar mit jungen Menschen, die sich selbst als Palästinenser:innen verstehen. Nicht nur hier entstanden Freundschaften, sondern auch bei anderen Seminaren.
Zum Jahrestag der Befreiung Europas von Nationalsozialistischen Terrorregime kamen unter anderem Jugendliche aus Deutschland und Österreich zusammen. Das Partizipations-Seminar war Teil des 11. Zyklus des EU -Jugenddialogs in dessen Rahmen junge Menschen mit Politiker:innen ins Gespräch kamen. Die Ergebnisse wurden im Januar 2026 an die Nationale Arbeitsgemeinschaft und damit nach Brüssel weitergegeben.
Die Diskussion um den Umgang mit Social-Media war im Schwerpunkt „Digitalisierung und Demokratie“ ein wichtiges Thema. Hier stand die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und ihren Auswirkungen auf demokratische Prozesse im Mittelpunkt. In künstlerischen Werkstätten zu Audio, Film, Grafik, Spielentwicklung und Bildgestaltung erprobten die Teilnehmenden handlungsorientiert den Umgang mit digitalen Medien und setzten sich mit Fragen von digitaler Selbst- und Fremdbestimmung, Meinungsbildung und Identitätsentwicklung auseinander. Das Zusammenspiel von analogen und digitalen Arbeitsformen eröffnete dabei unterschiedliche Zugänge und trug dazu bei, Ängste vor technologischen Entwicklungen abzubauen. Das Werkstattprinzip erwies sich erneut als gute Methode zum Anstoßen von Lernprozessen im wannseeFORUM. Und das nicht nur hier, sondern auch im Schwerpunkt „Kulturelle Bildung“. Bei den internationalen Kunstwerkstätten zu Ostern und im Sommer kamen junge Erwachsene aus ganz Europa zusammen. Sie entwickelten und formulierten Fragen zu den relevanten Themen unserer Zeit. Durch die Entdeckung neuer und die Vertiefung bestehender künstlerischer Techniken und Kompetenzen entwickelten sie ganz eigene, außergewöhnlich kreative Zugänge. Ebenfalls im Sommer boten wir im Schwerpunkt „Soziale Frage und Politische Teilhabe“ erstmals ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Haushaltseinkommen und Diskriminierungserfahrung an. 50 junge Menschen kamen zum Thema Klassismus zusammen. Dabei konnten wir auf den Bericht der Menschenrechtskommissarin des Europarats zurückgreifen, der unter anderem darauf hinweist, dass Armut und Einkommensungerechtigtkeit in den letzten Jahren in Deutschland erheblich gestiegen sind. Für den einzubringenden Eigenanteil kamen die Strockhausen Stiftung und die Kreuzberger Kinderstiftung auf.
Durchaus auch erwähnenswert
Ein besonderer Impuls ging 2025 erneut vom jugendBEIRAT aus. Die von den Jugendlichen selbst geplanten und
durchgeführten Angebote wie pfingstLAB und kulturellen Abende zeigen eindrucksvoll, wie politische Bildung durch Selbstorganisation, Eigeninitiative und gemeinsames Handeln wirksam wird. Die Beteiligten übernehmen Verantwortung für Planung, Durchführung und Auswertung und erfahren sich als selbstwirksam – eine Erfahrung, die weit über das einzelne Projekt hinausreicht. Das unser Angebot nicht nur für Kinder und Jugendliche sondern auch für Multiplikator:innen aus dem Ausland von Interesse ist, veranschaulicht ein Blick auf unsere internationalen Aktivitäten. 2025 durften wir Multiplikator:innen aus Belgien, Bulgarien und Rumänien empfangen. Unsere Referent:innen waren auf Fachtagungen in Bulgarien, Luxemburg, Finnland und beim Europarat in Ungarn gern gesehene Gäste. Als vom Europarat zertifizierte Jugendbildungsstätte waren wir auch bei der „Fourth European Youth Work Convention“ in Malta vertreten und konnten die Respekcharta vorstellen. Auch die Beziehungen zu Armenien bauten wir weiter aus . Lilit Gevorgyan war mehrere Wochen zu Gast im wannseeFORUM und anderen Einrichtungen des Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten. 2026 erwarten wir eine Expert:innengruppe von dort.