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Ein Ort für alle

Jahresbericht 2025 • Kapitel 03

Ein Ort für alle

Vom Anspruch zur Praxis: unser Weg zu mehr Inklusion

„Dein Ort für Bildung“ heißt es auf der Eingangsseite unserer neuen Homepage. „Wir eröffnen jungen Menschen Räume für kreatives Lernen, vielfältige Begegnungen und neue Perspektiven“. So beschreiben wir dort unseren Anspruch an Jugendbildung. Für diese Formulierung haben wir uns 2025 bei der Erarbeitung des neuen Erscheinungsbildes entschieden. Wir möchten ein Ort für alle werden!

Ob bauliche Veränderungen oder barrierearme Website: Im vergangenen Jahr stand inklusives Gestalten in vielen Bereichen im Mittelpunkt. Inklusion verstehen wir als Haltung: Der Abbau von Barrieren ist immer ein Gewinn für alle – und ein lernintensiver und stetig andauernder Prozess.

Der folgende Beitrag betrachtet unsere Aktivitäten zum Thema Inklusion in 2025 aus verschiedenen Perspektiven: aus dem Seminaralltag einer Teilnehmenden, aus der Sicht auf bauliche Herausforderungen sowie aus dem Blickwinkel der Entwicklung einer barrierearmen Website und eines neuen Erscheinungsbildes der Jugendbildungsstätte. Und wir geben einen kurzen Ausblick auf Aktuelles.

Blickwinkel Seminarerlebnis

2025 fanden zwei Kooperationsseminare zum Europäischen Jugendziel #1 DIE EU MIT DER JUGEND ZUSAMMEBRINGEN mit Concrete Narrative Society e.V. statt. Junge Menschen aus Steglitz-Zehlendorf mit und ohne Fluchterfahrung nahmen in den Oster- und in den Sommerferien an „Europa, wir machen mit“ teil.
Darunter auch Anastasiia.

Sie hat als erste Teilnehmerin im Zimmer 1/Landhaus gewohnt, nachdem wir es 2025 rollstuhlgerecht umgebaut haben.

Kannst du dich bitte kurz vorstellen?
Ich bin Anastasia und 21 Jahre alt. Ich komme aus der Ukraine und bin seit drei Jahren in Berlin.
Im wannseeFORUM war ich so drei, vier Mal, oft war ich in den Filmgruppen.

Was macht dir Spaß in den Seminaren?
Ich habe hier Freunde gefunden. Ich bin jemand, der immer viele Ideen einbringt. Ich spiele gern Kartenspiele wie Werwolf. Volleyball geht nicht. Ich bin gern vor der Kamera und spiele und auch hinter der Kamera als Kamerafrau. Da wären leichtere Kameras besser.

Hast du einen Lieblingsort im wannseeFORUM?
Ja, eine weiße Bank unter Bäumen am See. Da ist es ruhig und manchmal bin ich „überfüllt“. Das ist dann mein Rückzugsort.

Wie findest du als Rollstuhlfahrerin das neue Übernachtungszimmer im Landhaus?
Gut, aber da fehlen noch paar Sachen. Noch mehr Platz wäre gut und eine Garderobe zum Kleidung aufhängen oder Haken für eigene Bilder.

Danke für dein Feedback, das und bestimmt noch mehr werden wir verbessern.
Und kommst du wieder?

Ja. Ich will sehen, was Katja(*) so Interessantes macht und ich habe hier ja Freunde.

Nach der ersten Zimmernutzung im September hat Anastasiia uns als Expertin ein ausführliches Feedback mit Veränderungstipps gegeben. Diese wurden und werden nun umgesetzt.
Das Gespräch mit ihr und Anastasiias Fotos entstanden im Januar 2026 bei ihrer erneuten Seminarteilnahme.

(*Katja Pratschke: Projekt- und Seminarleitung von Concrete Narrative Society e.V.)

  • Vor und hinter der Kamera: Screenshot aus dem Filmprojekt "The Game", September 2025
    Mehrere Personen vor einem mit Efeu bewachsenen Backsteingebäude, eine Person im Rollstuhl, andere halten Schilder und Ausrüstung in der Hand
  • Foto während des Filmprojekt "The Game", September 2025, Foto: Iryna
    Zwei Personen sitzen sich im Garten auf Bänken gegenüber, im Hintergrund stehen zwei weitere Personen auf einem Weg vor einer Backsteinmauer und Büschen
  • Vor und hinter der Kamera: Screenshot aus dem Filmprojekt "The Game", September 2025
    Zwei Personen sitzen an einem Seeufer, eine auf einer Mauer, die andere im Rollstuhl, umgeben von Bäumen und Wasser
  • Umgebautes Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: Anastasiia
    Blick von einem dunklen roten Boden in einen hellen Raum mit weißem Schrank, Spiegel und gelben Vorhängen
  • Umgebautes Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: Anastasiia
    Schlafzimmer mit Hochbett, blauem Bettbezug, rosa Jacke an Wandhaken, weißer Kommode und rundem Spiegel
  • Umgebautes Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: Anastasiia
    Einzelbett mit türkisfarbenem Überwurf in einem hellen Zimmer mit Rollstuhl neben dem Fenster und Holzstuhl am Bettende
  • Umgebautes Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: Anastasiia
    Barrierefreie Dusche mit Duschvorhang, weißem Kunststoffstuhl und Haltegriff an der Wand
  • Umgebautes Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: Anastasiia
    Hochbett mit blauem Bettbezug, daneben ein kleiner Tisch mit einem Heizgerät und einer Jacke an der Wand
  • Anastasiia auf ihrem Bett im umgebauten Übernachtungszimmer, Foto: Lamis
    Person liegt auf dem Bauch auf einem Bett und nutzt ein aufgeklapptes Laptop

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Mehr Informationen
„The Game“ entstand mit Anastasiia vor und hinter der Kamera.

Blickwinkel Baumaßnahmen

2023 konnten wir gemeinsam mit der Firma „GETEQ – Evaluation. Bildung. Beratung“ einen umfassenden Barrierefreiheits-Check für unser Landhaus durchführen. Daniel Baway und sein Team haben das Gebäude aus den Perspektiven von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen betrachtet und uns damit einen neuen, sehr konkreten Blick auf notwendige bauliche Veränderungen eröffnet. Begehung, Beratung und Workshops mit GETEQ fanden im Rahmen der „Roadmap Diversität und Inklusion“ im Projekt Jugend.Sprungbrett.Kultur -Netzwerk für Diversität und Inklusion der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Berlin statt.

Seitdem stehen sowohl die Sensibilisierung unseres Teams als auch die schrittweise inklusive Weiterentwicklung unserer Gebäude im Mittelpunkt. Als Besonders wertvoll erwies sich die Erkenntnis, dass nicht nur große Bauprojekte, sondern auch viele kleinere Maßnahmen den Alltag spürbar erleichtern.

Ein wichtiger Schritt war 2025 der barrierefreie Umbau des Weges ins Untergeschoss des Landhauses. Damit ist nun auch der Zugang zu unserem ersten barrierefreien Zimmer im Bettenhaus möglich.

In allen Häusern wurden zudem die Feuermelder erneuert und durch optische Signale für gehörlose Menschen ergänzt. Die ersten elektrisch bedienbaren Türen sind inzwischen eingebaut und erleichtern die Nutzung zentraler Bereiche deutlich.

Barrierefreier Weg mit Holzgeländer, im Hintergrund das Kutscherhaus und Menschen
wannseeFORUM: Zugang zum Übernachtungsanbau und Speisebereich, Foto: (c)vision-photos
Barrierefreies Zimmer mit Etagenbett, Esstisch mit vier Stühlen, großer Spiegel und weißem Sideboard
wannseeFORUM: Übernachtungszimmer 1 im Landhaus, Foto: (c)vision-photos

Blickwinkel Erscheinungsbild und Website

Wie können wir unseren Bildungsort on- und offline zugänglicher machen?
Diese Leitfrage stand am Anfang der Entwicklung unseres neuen Corporate Designs und der barrierearmen Website. Seit 2025 ist digitale Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben. Mit dem Relaunch unseres Internetauftritts erfüllen wir die Anforderungen nach dem Standard WCAG 2.1 (AA) und verbinden sie mit unserem eigenen Anspruch, Teilhabe auf allen Ebenen mitzudenken.

Zusammen mit der Agentur Novamondo entstand in einem intensiven Austauschprozess unter anderem mit Vertreter:innen aus Kuratorium, Vorstand und dem jugendBEIRAT unser neues Design.
Zentrale Vorgaben waren die Wiedererkennbarkeit des wannseeFORUMs etwa durch Logo und die Farbe Blau sowie die Ansprache möglichst unterschiedlicher Zielgruppen durch das neue Corporate Design.

Unser überarbeitetes Logo ist nun viel besser zu lesen. Denn die neue Farbgestaltung setzt auf starke Kontraste und greift zugleich die Lage am Wasser auf. Kreis- und Wellenformen aus dem Logo finden sich in einer spielerischen Bildsprache regelmäßig wieder zum Beispiel hier im Jahresbericht. Die Website richtet sich dabei weiterhin in erster Linie an Erwachsene. Für Jugendliche, die uns über Instagram folgen, dient sie als Landingpage mit weiteren Infos, zum Beispiel zu ausgeschriebenen Seminaren.

Wellenformen
Kreisformen

2025 haben wir zudem Materialien überarbeitet, unter anderem angeregt durch den internen Tagesworkshop „Alle Gäste sind willkommen“. Im Rahmen des AdB-Projekts „SPREAD – Sensibilisierung, Politische Bildung, Reflexion, Empowerment, Ableismus-Dekonstruktion“ ging es dabei um inklusivere und multimediale Kommunikationsmöglichkeiten. Mitarbeitende aus Verwaltung, Pädagogik, Hauswirtschaft und Haustechnik experimentierten gemeinsam mit einem Mitglied des jugendBEIRATs und einem Gastdozenten zur Frage, wie Informationen gestaltet sein müssen, damit sie wirklich alle erreichen.  
Von den Referentinnen Dr. Christine Kolbe und Robert Behrendt wurden auch frei zugängliche Lern- und Lehrmaterialien entwickelt, die andere Teams oder Einrichtungen für eigene Workshops nutzen können. 

2 rosa Karten an einem schrägen Holzbalken angepinnt, karte 1 Sprachbarrieren abbauen, Karte 2: Diskriminierung, Ausgrenzung vermeiden
Themen im Workshop
Text auf Papier mit gedrucktem Satz und handschriftlicher Notiz: 'Eine typische Frage, die Gäste mir stellen:' und handschriftlich 'Ist das Hühnchen?'.
Wie gehen wir mit Fragen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen um?

Wie geht es inklusiv weiter?

2026 planen wir weitere interne Fortbildungen. Dabei wird sich die Gesamtbelegschaft zum Beispiel mit dem Thema „Neurodivergenz“ näher beschäftigen. Geplant ist auch ein Folgeworkshop zu inklusiven Materialien. Das AdB-Projekt „SPREAD unterstützt erneut die Finanzierung sowie die Teilnahme an weiteren Fortbildungsmöglichkeiten zum Thema Inklusion zusammen mit anderen AdB-Einrichtungen.

Das positive Feedback zur neuen Website nach ihrer Veröffentlichung bestärkt uns, den grafischen Prozess weiterzuführen. Nach und nach füllt sich das wannseeFORUM mit neuen Bildern zum Beispiel bei den Beschilderungen am Büffet oder Hinweisschildern zur Gepäckablage. Es entsteht ein neues Leitsystem im Haus: Die kontrastreiche Farbgestaltung unserer neuen Corporate Identity bildet die Grundlage für eine bessere Orientierung. Schrittweise ergänzt werden Piktogramme und Beschilderungen in Brailleschrift.
Fachlich begleitet diesen Prozess weiterhin der Inklusionsarchitekt Jürgen Dettbarn-Reggentin („Barrierefreies Bauen“*), der uns insbesondere bei Fragen zu Farben, Beschilderung und Ausstattung berät.

Auch die größeren baulichen Perspektiven sind geklärt: Der Anbau eines Aufzuges am Landhaus wurde von der Denkmalbehörde grundsätzlich als machbar eingestuft. Die Planungen nehmen wir mit Zuversicht in den Blick.

Die bereits umgesetzten Maßnahmen zeigen Wirkung – und sie machen Mut für die nächsten Schritte. Mit den baulichen Veränderungen schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass ab Sommer 2026 Seminare für größere Gruppen von Menschen mit Behinderung bei uns stattfinden können. Unser Weg zu mehr Barrierefreiheit bleibt damit konkret, lebendig und voller Bewegung.

*Dettbarn-Reggentin, Jürgen: Praxisbuch Barrierefreies Bauen: Funktionale Anforderungen DIN EN 17210 – Technische Umsetzung DIN 18040. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart / Köln : Reguvis Fachmedien GmbH / Fraunhofer IRB Verlag, 2024. 459 S. ISBN-13: 978-3-8462-1521-0.