Das Werkstattprinzip
Wir arbeiten nach dem Werkstattprinzip. Seit langem ist es zentraler Bestandteil unserer Bildungsarbeit. Ein Ausgangspunkt dafür sind die Ideen von Johann Heinrich Pestalozzi. Er war ein Pädagoge und Reformdenker im 19. Jahrhundert. Er sagte, beim Lernen müssen Kopf, Herz und Hand einbezogen werden. Der Kopf steht für das Denken und Nachdenken. Das Herz steht für das Fühlen und die Hand für das Handeln oder für etwas machen. Damit wir gut lernen können, müssen alle drei im Einklang miteinander stehen. Dann kann Bildung gelingen. Diese Idee griff John Dewey auf. Er war ein Reformpädagoge, der von 1859 bis 1952 in den USA gelebt hat. Seine Ideen haben bis heute großen Einfluss auf unsere Bildungsarbeit. John Dewey stellte fest: Wir lernen für uns selbst und nicht für andere, denn wir wollen freie und selbstbestimmte Menschen sein und uns selbst verwirklichen.
Hier kommt also die Freiheit ins Spiel. Im Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtskonvention steht: Jede Person hat das Recht auf Freiheit und auf Sicherheit. Wir haben das Recht, selbst über uns zu bestimmen und zu handeln, wie wir wollen, solange wir niemand anderem seine Freiheit nehmen. Freiheit ist allerdings für jeden Menschen etwas anderes. Denn wir sehen die Welt um uns herum immer nur von uns aus, also aus unserer eigenen Sicht. Daher müssen wir miteinander sprechen, damit jede:r so frei wie möglich sein kann. Jedes Mal, wenn wir das machen, sammeln wir neue Erfahrungen und lernen etwas dazu. Genau das passiert in den Werkstätten im wannseeFORUM. Lernen im wannseeFORUM ist also „Learning by doing“: Alle bringen sich in die Werkstatt ein, sprechen darüber und erschaffen am Ende gemeinsam ein Ergebnis, das sie präsentieren. Die unterschiedlichen Meinungen der Teilnehmenden müssen dafür im Gespräch zusammenfinden. Je öfter das Zusammenfinden stattfindet, um so besser klappt es. Und mit der Zeit lernen alle auch bei schwierigen Fragen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die alle weiterbringen und keinen ausschließen. Auch in der Freizeit im wanseeFORUM ist das so. Wenn zum Beispiel das Abendprogramm gemeinsam geplant und durchgeführt wird.
Eine Seminarwoche im wannseeFORUM bedeutet also Erfahrungen in der Gemeinschaft sammeln und diese Erfahrungen mit anderen zu teilen. Alle Teilnehmenden haben dabei die gleichen Rechte und Pflichten. Sie lernen, wie Demokratie funktioniert und was dafür für jeden einzelnen wichtig ist.
Ganz besonders gut funktioniert es so zu lernen, wenn Kopf, Herz und Hand miteinbezogen werden, man sich auf ein Projekt konzentrieren kann und an nichts anderes denken muss, meinte John Dewey. Moritz von Engelhardt, der viele Jahre lang Leiter des wannseeFORUM war, entwickelte daraus das Werkstattprinzip. Er verband Methoden der kulturellen und politischen Bildung. Denn Demokratie zu erlernen, funktioniert durch gemeinsame künstlerische Arbeit besonders gut. Moritz von Engelhardt sagte, der ideale Lernort dafür ist die künstlerische Werkstatt. Dabei sind vier Dinge ganz wichtig:
Kreativität und Fantasie
In der Werkstatt geht es darum, ein neues Produkt zu erfinden. Durch die Fantasie werden dabei bestehende Regeln und Gewohnheiten überschritten und hinter sich gelassen. Neue Erfahrungen werden gemacht: Der freie Vogel Fantasie hilft dabei. Ideen zur verwirklichen und Dinge dann tatsächlich anders zu machen geht in der Werkstatt aber nur, wenn man sich mit allen darüber im Gespräch darüber austauscht.
Themen und Inhalte
Die Ideen, die jede:r einbringt sind vorher aus dessen persönlichen Erfahrungen, Hoffnungen, Ängsten oder Träumen, die bisher gemacht wurden, entstanden. Die eigene Sichtweise und was man selbst erlebt hat, wird in die Werkstatt eingebracht und so Bestandteil eines Austauschs. In dem im Gespräch in der Werkstatt wird eine Lösung gefunden, wie es mit dem Produkt, das entstehen soll, weiter gehen kann. Persönliches wird politisch – ohne dass jemand belehrt oder überzeugt werden muss.
Individuum und Gruppe
Jede Person bringt ihre eigene, einzigartige Sicht ein. Gleichzeitig arbeiten alle in der Werkstatt an einem gemeinsamen Ziel. Wenn die Beziehung zwischen der Freiheit des Einzelnen und dem Zusammenhalt der Gruppe gut funktionieren, dann wird Demokratie gelernt. Das gemeinsame Arbeiten in der Werkstatt ist also von politischer Bedeutung.
Öffentlichkeit und Wirkung
Am Ende wird das Ergebnis der Werkstatt anderen Menschen gezeigt. Das Ergebnis kann ein gemeinsames Werk oder viele kleine Teile sein, die zusammen vorgestellt werden. Wichtig ist, dass sich alle Anwesenden, also das Publikum, die Werkstattleitung und die Teilehmer:innen darüber unterhalten. So sammeln alle nicht nur ein weiteres Mal neue Erfahrungen, sondern die Ergebnisse der Werkstätten wirken auf sie und tragen so dazu bei Kultur in der Gesellschaft zu gestalten.
Weitere Informationen dazu sind hier zu finden.
Impressionen zu einzelnen Werkstattmedien im Slider unten
- Analoge Schwarz-Weiß-Fotografie
- Analoge Spieleentwicklung,
- Animation/Stop-Motion
- Bildhauerei mit Holz, Ton und anderem
- Coding/einfaches Programmieren,
- Comic als Heft, Liveperformance u.a., mit Stiften, Tablets oder Schwarzlicht
- Design/Gestaltung von der Collage über Plakate bis zum Zine,
- Digitale Fotografie
- Film/Video und Multimedia-Formen
- Gestaltung von Druckgrafik bis Schablonenkunst
- Installationen z.B. aus Recyclingmaterial oder Schweißen von Skulpturen
- Journalismus,
- Kinetische Kunst,
- Kreatives Schreiben .
- Malerei, Illustration und Zeichnen
- Maskenbau und -kostüme
- Mixed Media Land- und Streetart
- Musik vom Songwriting über Rap bis zu Soundexperimenten,
- Podcast und Hörspiel
- Tanz/Tanztheater
- Tape Art
- Theater und Performance in unterschiedlichen Formen
- Upcycling
- Zine (kleines Magazin)
- …wir sind immer offen für neue Werkstattideen
Das erwartet euch:
- Gemeinsames Arbeiten und Austausch in kleinen Gruppen
- Kritisches Nachdenken über politische und gesellschaftliche Themen
- Kreative Zugänge durch Kunst, Medien und Gestaltung
- Technische Grundlagen
- Künstlersisches Wissen zu Gestaltung und Präsentation
- Genügend Zeit um sich in eine Sache vertiefen zu können
- Unterstützung durch Künstler:innen, Journalist:innen und Medienprofis
- Freiräume für eure Fragen, Interessen und Ideen
- Ein Prozess, in dem ihr Demokratie erlebt, erlernt und Mitbestimmung erprobt
- Selbstorganisiertes Lernen mit Kof, Herz und Hand
- Stärkung eurer Selbstwirksamkeit
- Im Austausch Lösungen für knifflige Fragen entwickeln
- Blicke in die Zukunft und Ermutigung zum Mitgestalten
- Tägliche Treffen aller Gruppen am Morgen zum gemeinsamen Start
- Am Ende: eine Präsentation der Ergebnisse live vor Gästen
In unseren Werkstätten kommen kulturelle und politische Bildung lebendig zusammen. Wissen trifft auf Kreativität, eigene Erfahrungen auf neue Perspektiven. Das Werkstattprinzip ermutigt dazu, Fragen zu stellen, mitzudenken und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

