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Wir nehmen Abschied von Uta Denzin-von Broich-Oppert

Wir nehmen Abschied von Uta Denzin-von Broich-Oppert

Nachruf

Wir trauern um Uta Denzin-von Broich-Oppert, die am 11. Februar 2026 im Alter von 86 Jahren verstarb. Uta Denzin war eng mit dem Wannseeheim für Jugendarbeit e.V. und später der Stiftung wannseeFORUM verbunden.

Wir erinnern Uta Denzin als eine großartige Ermöglicherin: Sie hat – meist in Zusammenarbeit mit der Leiterin des Wannseeheims Gabriele Naundorf – sowohl durch ihr inhaltliches Engagement als auch durch wichtige finanzielle Kooperationen daran mitgewirkt, Meilensteine in der Mädchen- und Frauenarbeit in unserer Bildungsstätte zu realisieren.

Zwei Meilensteine seien genannt, die über Jahrzehnte hier stattfanden und nachhaltige Wirkung für die Bildungsarbeit entfalteten – und die den Teilnehmerinnen bezeugtermaßen stets neue Ideen und unvergessliche Eindrücke bescherten.

Das sind zum einen – ab 1980 – die alljährlichen Fortbildungen für pädagogische Mitarbeiterinnen der rund 80 westdeutschen Bildungsstätten, zusammengeschlossen im „Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten“ (AdB). Kulturelle und politische Themen von „Rituale – Kulturnormen – Kulturformen“ bis zu „Frauen in der 3. Welt“ wurden jeweils auf dem neuesten Stand der Mädchen-, Frauen- und Geschlechterforschung mit teils auch unkonventionellen künstlerischen Methoden abgehandelt. Anschließend konnten Materialien und Methoden als Seminarmodelle in eigene Programme übertragen werden.

Vorangegangen und Voraussetzung dafür war 1979 die Bildung einer eigenständigen Kommission „Mädchen- und Frauenbildung“ im AdB. Auch daran hatte Uta Denzin ad personam und als Leiterin der staatlichen Bildungseinrichtung „Haus am Rupenhorn“ sowie als Gründungsmitglied des AdB gegen nicht unerhebliche Widerstände maßgeblich, tatkräftig und erfolgreich mitgewirkt.

Ähnlich bedeutsame operationelle, inhaltliche und „moralische“ Unterstützung ließ sie ab 1986 einer neuen, richtungsweisenden Veranstaltungsreihe des Wannseeheims zukommen: den bundesweiten Fachtagungen „Weiblichkeit als Chance“, gerichtet an Mitarbeiterinnen aus der autonomen Mädchenarbeit und aus koedukativen Jugendeinrichtungen. Hier wurden Vertreterinnen der sich entwickelnden Frauen- und Geschlechterforschung mit Praktikerinnen zusammengebracht.

Der Titel war Programm, denn es sollten die Stärken von Mädchen und Frauen herausgearbeitet und die Potentiale entwickelt werden – ein Abschied von dem bis dahin oft vertretenen „Defizitansatz“. Unter diesen Auspizien konnten sich die Teilnehmerinnen – zunächst aus Westdeutschland, ab 1990 auch den neuen Bundesländern – weiterbilden, austauschen und Netzwerke bilden.

Gabriele Naundorf als Veranstalterin schreibt dazu:
„Als freier Träger initiierte das Wannseeheim die Veranstaltungsreihe, aber ohne die finanzielle und fachliche Unterstützung durch Uta Denzin von Broich-Oppert und ihr „Haus am Rupenhorn“ als staatliche Einrichtung wären sie nicht zustande gekommen. Bis zum Jahr 2008 wurde so ‚das Wannseeheim‘… geradezu legendärer Ort für Frauen aus der Mädchenarbeit.“
(Gabriele Naundorf, Vom Wannseeheim für Jugendarbeit e.V. zur Stiftung wannseeFORUM, 2. Auflage 2017, S. 70 ff.)

Wer an diesen großen Fachtagungen teilgenommen hat, wird sich erinnern, wie Uta Denzin immer auch persönlich und mit substantiellen Diskussionsbeiträgen Anteil genommen hat und dass sie immer eine wichtige, kenntnis- und erfahrungsreiche Inspiration und zugleich eindrucksvolle Persönlichkeit war.

Auch institutionell engagierte Uta Denzin sich im Wannseeheim für Jugendarbeit. Seit 2005 war sie dort im Vorstand tätig, und als der Verein 2012 zur Stiftung wannseeFORUM wurde, setzt sie ihre Vorstandstätigkeit bis 2017 fort – eine Aufgabe, die sie mit viel Engagement, Kompetenz und Klugheit wahrgenommen hat. Auch anschließend als Mitglied des Kuratoriums war sie ein Dreh- und Angelpunkt des wannseeFORUMs; wir konnten immer mit ihr rechnen, wenn es galt, sich für etwas einzusetzen oder Aufgaben zu übernehmen, sei es die Vorbereitung des Sommerfestes, die Diskussion über den Umgang mit extremen Parteien oder die Gestaltung des Trauercafés für Gabriele Naundorf. Wir konnten uns darauf verlassen, dass sie Position bezog, wenn es wichtig war, und gleichzeitig ausgleichend, kompromiss- und konsensorientiert agierte. Unvergesslich bleibt ihre heitere Art, Probleme zu benennen und Lösungen zu finden.

Die Idee einer emanzipatorischen und partizipativen Jugendbildungsarbeit lag ihr sehr am Herzen, und sie setzte sich mit Überzeugung und Begeisterung dafür ein, sie im Alltag der Seminare und Werkstätten des wannseeFORUMs umzusetzen.

Ihr Einsatz für demokratische Werte wurde 2019 mit der Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille gewürdigt. Mit dieser Medaille wird eine Persönlichkeit geehrt, die dem politischen und persönlichen Vermächtnis Louise Schroeders in herausragender Weise Rechnung trägt – und dieses Vermächtnis beschrieb Louise Schroeder selber so: „Wenn ich als Frau eine besondere Aufgabe erfüllen konnte, so war es die, die Menschen einander näher zu bringen, ihre Abneigung gegen die Diktatur zu stärken und ihnen zu helfen, soweit das möglich war …“ Das war Uta Denzin: Sie führte Menschen zusammen und stärkte sie in ihrem demokratischen Grundverständnis.

Wir sind glücklich, dass wir mit ihr zusammen arbeiten konnten und mit ihr gemeinsam unterwegs waren.

Cillie Rentmeister, Sabine Behn